Ich arbeite mit Menschen an ihren tiefsten Themen. An Verletzungen, alten Mustern, Familiendynamiken.
Was ich dafür brauche? Vertrauen. Und Vertrauen beginnt für mich mit etwas ganz Bodenständigem: Verlässlichkeit.
Denn ja – ich erlebe es immer wieder. Eine Klientin sagt begeistert zu: „Ja, ich mache die Aufstellung! Das fühlt sich so stimmig an.“
Der Termin wird blockiert, der Raum vorbereitet, ich plane mit ihr, stimme mich auf das Seminar ein, gehe in die Werbung, schreibe einen Newsletter, kümmere mich um
weiter Teilnehmer / Stellvertreter, denn ohne die geht es ja nicht.
Und dann kommt kurz vorher: „Irgendwie fühlt es sich jetzt doch nicht mehr richtig an.“
Oder: „Ich schicke dir die Unterlagen morgen zu.“
Morgen wird zu übermorgen. Und irgendwann zu Stille im WhatsApp-Universum.
Oder der Klassiker: „Trag mich bitte fest ein.“ Ich melde die Teilnehmerin an.
Und dann schreibt sie kurz vorher: "Ich muss auf einen Geburtstag."
Eine noch interessantere Version: Klientinnen melden sich zur Heiler-Ausbildung an. Ich schicke den Vertrag zu, warte wochenlang auf Antwort, frage immer wieder
nach. Und kurz vor Ausbildungsbeginn kommt dann: "Es wird dich jetzt nicht freuen, aber ich nehme nicht teil."
Dass andere in der Gruppe damit auch betroffen sind, ist dann eher nebensächlich. Die Teilnehmerinnen, mit denen "Frau" vorher so harmoniert hat, sind dann plötzlich doch nicht mehr so wichtig!
Wie können diese Menschen heilerisch arbeiten wollen? Andere Menschen energetisch begleiten wollen?
Ich verstehe viel. Wirklich! Prozesse bewegen, Ängste tauchen auf, alte Muster schreien oft am lautesten, kurz bevor Heilung möglich wäre. Das sehe ich seit Jahren.
Und trotzdem: Wenn jemand zusagt, plane ich verbindlich, ich halte nicht nur den Raum und die Energie, sondern ich sage anderen Interessentinnen ab oder
vertröste sie auf später. Ich investiere Zeit, Energie und oft auch Geld. Und genau da kommt mein Wert ins Spiel: Verlässlichkeit!
Nicht als starres Prinzip. Sondern als Ausdruck von Respekt.
Respekt vor meiner Arbeit. Respekt vor meiner Zeit. Respekt vor dem Raum, den ich halte. Und auch Respekt vor den Mitmenschen. Manchmal werde ich dadurch fast gezwungen, alles schriftlich festzuhalten. Verträge. Stornobedingungen. Unterschriften. Und dann wundern wir uns, warum es in Deutschland für alles ein Formular braucht?
Vielleicht, weil Worte allein oft nichts mehr wert sind? Interessanterweise hat sich seit der Corona Zeit noch etwas dazu gesellt: Unentschlossenheit und die "Rosinenpicker-Haltung". Diese Mentalität ist menschlich, ja. Und ganz ehrlich: sie untergräbt jegliche Verlässlichkeit.
Ein bisschen Humor habe ich dabei inzwischen auch entwickelt. Manchmal denke ich: Vielleicht sollte ich vor jeder Buchung einen Rechtsanwalt dazusetzen und einen Stempel in dreifacher Ausführung bereithalten? Oder noch ein paar weiter Formulare / Fragebögen entwickeln für Menschen, die nicht wissen, wo der Popo denn hin will?
Aber Spaß beiseite. Verlässlichkeit ist für mich nicht nur eine organisatorische Frage, sondern eine energetische. Die Menschen, die zu mir kommen, wollen Klarheit, Stabilität und vor allem einen sicheren Rahmen. Sie wollen aus ihrem Chaos herausfinden.
Wie könnte ich ihnen das bieten, wenn mein eigenes Business auf „Eigentlich, mal sehen, vielleicht, eventuell“ basiert?
Ich gebe meinen Kundinnen Verlässlichkeit. Wenn ich einen Termin zusage, bin ich da. Wenn ich einen Raum öffne, halte ich ihn. Wenn ich etwas verspreche, stehe ich dazu. Und ja – manchmal lerne ich auch, Dinge einfach vorbeischwimmen zu lassen. Nicht jede Absage ist eine Geringschätzung. Nicht jede Kehrtwende ist böse gemeint. Manche Menschen sind noch nicht bereit. Manche ringen gerade mit sich selbst.
Umgekehrt ist es ja auch so, dass ich - sollte ich einmal nicht an einem Event teilnehmen können (und dazu muss ich wirklich krank sein) - selbstverständlich frage, ob es eine Ausfallsgebühr gibt, die ich übernehmen kann. Das hat mit Wertschätzung meines Gegenübers zu tun.
Mein Learning aus diesen vielen Erlebnissen? Ich lerne noch mehr, meine Grenzen klarer zu setzen: klare Buchungsbedingungen, klare Stornoregeln, klare Kommunikation. Jetzt gibt es halt für Seminare und Workshops auch Verträge, auch wenn ich weiter Verwaltungsaufgaben nicht leiden kann. Nicht, weil ich hart geworden bin, sondern weil ich weich bleiben möchte – ohne ausgenutzt zu werden.
Verlässlichkeit ist für mich kein bürokratischer Akt. Sie ist ein Versprechen und steht für Aufrichtigkeit und Zugewandt sein: Wenn du zu mir kommst, darfst du dich halten lassen. Und ich darf mich darauf verlassen, dass deine Worte Gewicht haben, denn meine haben es auch.
Und wenn nicht? Dann lass ich es "weiter schwimmen". Und ich halte trotzdem meinen Kurs.
Vielleicht denkst du jetzt:
„Puh … das ist schon heftig.“
Ja, ich rede direkt. So bin ich.
Und gleichzeitig immer mit offenem Herzen – denn Klarheit und Mitgefühl schließen sich für mich nicht aus.
Wie ist deine Meinung dazu? Hast du ähnliche Erfahrungen gemacht? Lass uns in den Austausch gehen.
